29. Landessynode - Konstituierende Tagung
Sonntag, 21. Juni 2026
Gottesdienst in der Kreuzkirche
Am Sonntagmorgen kamen die Synodalen im Gottesdienst in der Dresdner Kreuzkirche zusammen, der musikalisch vom Vocal Concert Dresden unter Leitung von Peter Kopp sowie von Kreuzorganist Holger Gehring an der Orgel ausgestaltet wurde.
Landesbischof Tobias Bilz dankte in diesem Rahmen den anwesenden Synodalen der 28. Landessynode für ihren Dienst. Gleichzeitig begrüßte er die Synodalen der 29. Landessynode und bat im Gebet um den Segen für alle.
Im Anschluss sprach er den Mitgliedern des neu gewählten Präsidiums den Segen Gottes zu.
In seiner Predigt fragte Tobias Bilz: »Kann man heute noch von Sünde sprechen?«
Er berichtete, dass diese Frage auch den Vikarinnen und Vikaren in der Examensprüfung gestellt wurde und sich spannende Gespräche ergaben. Der Prophet Micha lenke die Aufmerksamkeit nicht auf die Sünde, sondern auf Gott, der gnädig und barmherzig ist. Wir können uns nur unserem Versagen und unserer Sünde stellen, wenn wir keine Angst vor einem vernichtenden Gott haben. Was sind die Sünden unserer Zeit? In Dresden sei in diesen Tagen eine Ausstellung zu den sieben Todsünden eröffnet, in der junge Menschen versucht haben diese alten Begriffe in die aktuelle Zeit zu übersetzen.
Landesbischof teilte mit der Gemeinde, was er im Moment als Sünde empfindet. Nämlich das wir Menschen tendenziell mehr darauf vertrauen, dass es auf unser Tun und Machen ankomme und nicht auf Gott. Und dass wir von Gott erwarten, dass er dieses Machen segne.
In kleinen katholischen Gemeinden in Frankreich kommen junge Menschen und lassen sich taufen. Die Priester dort antworteten, dass sie nichts täten als den jungen Menschen, die sich nach Gott sehnten, den Glauben zu erklären.
Für die neue Legislatur der Landessynode und angesichts der Aufgaben im Blick auf Kirche im Wandel wünsche er sich, dass wir in der Kirche nach Formen suchen, wie geistliches Leben zum Leben erweckt werden kann.
»Es lohnt sich, sich der Sünde zu stellen und auf einen gnädigen Gott zu vertrauen.«
Ausschusssitzungen
Nach dem Gottesdienst kamen die Synodalen erstmals in den Ausschüssen zusammen, wählten dort Vorsitzende, stellvertretende Vorsitzende und Schriftführende und berieten über die Arbeitsweise und erste konkrete Themen.
Auch das neu gewählte Präsidium kam zu einer ersten Sitzung zusammen.
Forsetzung der öffentlichen Plenarsitzung
Zu Beginn der Plenarsitzung informierte die Synodalpräsidentin über Eingänge und Mitteilungen und bat im Anschluss den Synodalen Dietrich Bauer um einen Bericht zur Arbeit der Kirchenleitung.
Bericht zur Arbeit der Kirchenleitung
Dietrich Bauer gab den Landessynodalen einen Einblick in die Verfassungsorgane der Landeskirche, die sich in der Kirchenleitung für die Leitung der Landeskirche zusammenfinden. Selbst kennt er die Arbeit der Kirchenleitung sowohl aus der Perspektive eines Vertreters des Landeskirchenamtes als auch inzwischen aus der Sicht eines synodalen Mitglieds der Kirchenleitung. Beide Perspektiven seien von zentraler Bedeutung. Als Mitglied der Kirchenleitung brauche es die Fähigkeit, verschiedene Perspektiven ins Verhältnis zu setzen, zusammenzudenken und nach Lösungen im gesamtkirchlichen Kontext zu suchen. Für diesen Kontext spiele neben der kirchgemeindlichen Ebene auch die Arbeit der Dienste, Werke und Einrichtungen eine wichtige Rolle. Für ein solches Werk – die Diakonie Sachsen – stehe er inzwischen und wisse, wie bedeutsam diese Arbeit auch für die Außenwirkung von Kirche in die Gesellschaft hinein sei. Das Wissen um die Wirkung der kirchlichen Werke und Einrichtungen in die Gesellschaft, aber auch in die Landeskirche hinein, habe für Mitglieder der Kirchenleitung daher eine große Bedeutung.
Bericht der Diakonie
Der Direktor des Diakonischen Werkes der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Dietrich Bauer, berichtete der Landessynode von den aktuellen Herausforderungen, Erfolgen und Themen der Diakonie Sachsen.
Als Titel seines Berichtes wählte er »Zutrauen wagen – Beziehungen gestalten«.
Er ging dabei vor allem auf die Sparzwänge ein, die zunehmend die Arbeit der Diakonie betreffen. Denn trotz einiger Erfolge der sozialpolitischen Arbeit der Diakonie und der Liga der Wohlfahrtsverbände werden die Sparzwänge nicht enden, sondern wiederkehren, so Bauer. »Was aber an Beratung und Sozialer Infrastruktur einmal eingestellt wurde, lässt sich kaum wieder aufbauen«, sagt er. »Wenn wir uns ein Land wünschen, dass Menschen in Not nicht einlässt, dann braucht es Orte, die für diese Menschen da sind.« Hierfür stünden die Diakonie und andere Wohlfahrtsverbände. Die Diakonie sei auch nicht nur ein Anhängsel der Kirche, denn die Sorge um die hilfsbedürftigen Menschen gehöre zum Kern christlichen Handelns!
Bericht des Wahlprüfungsausschusses
Für den Wahlprüfungsausschuss brachte Claudia Hultsch den Bericht über das Ergebnis der Wahlprüfung in die Synode ein. Sie dankte dem Landeskirchenamt für die gute Vorbereitung der Wahlprüfung und den Kreiswahlleiterinnen und -leiter für die dort getroffenen Entscheidungen. Der Ausschuss hatte keine Beanstandungen, jedoch einige Hinweise für die kommende Wahl. Im Ergebnis der Wahlprüfung schlug der Ausschuss der Landessynode vor, die Wahl zur 29. Landessynode für gültig zu erklären.
Die Synode stimmte dem Antrag zu und erklärte damit die Wahl der 29. Landessynode einstimmig für gültig.
Sonnabend, 20. Juni 2026
Gottesdienst zur Eröffnung
Die Konstituierende Tagung der 29. Landessynode wurde mit einem Gottesdienst eröffnet, in dessen Mittelpunkt das 60jährige Jubiläum der Ordination von Pfarrerinnen in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens stand. In seiner Begrüßung sagte Landesbischof Tobias Bilz, dass vor 60 Jahren ein neuer Wegabschnitt für die sächsische Landeskirche begonnen habe. Mit der Ordination der ersten Pfarrerinnen sei man damals auf neue Wege aufgebrochen, die segensreich waren. Heute begebe sich nun auch die 29. Landessynode auf einen neuen Weg. Um sich dafür zu stärken, versammelten sich Christinnen und Christen seit jeher am Anfang unter Wort und Sakrament.
In ihrer Predigt begrüßte Oberlandeskirchenrätin Magrit Klatte die Gemeinde mit den Worten: »Liebe Priesterinnen und liebe Priester, schön, dass Sie da sind!«
Und fragte: »Ist es selbstverständlich, dass Sie da sind, dass Sie getauft sind, dass Sie sich in der Kirche engagieren, für die Synode kandidiert haben oder sich für einen Pfarrdienst entschieden haben?« Man könne durchaus darüber nachdenken, ob es wirklich so selbstverständlich sei. Beim Nachdenken darüber ergreife sie daher eine große Dankbarkeit. »Wir können so dankbar sein, dass die Reformatoren erkannt haben, dass jeder Mensch ein Priester oder eine Priesterin ist und dass kein Theologe zwischen Gott und den Menschen stehen muss, sondern jede und jeder Glaubende in einer direkten Beziehung mit Gott steht!«. Auch eine Landessynode sei nicht selbstverständlich: »Dass wir nicht mehr um einen synodalen Weg ringen müssen, sondern dass in unserer Kirche Christinnen und Christen mit ihren Begabungen mitgestalten und mitbestimmen können, dafür können wir dankbar sein«, sagt Klatte. Und auch für die Pfarrerschaft sei die Vielfalt des gleichberechtigten Pfarrdienstes von Frauen und Männern ein Segen. »Gemeinsam wollen wir nun beim Aufbauen unserer Kirche und beim Pflanzen des Glaubens mitwirken. Aber zuvor ist es wichtig, das Selbstverständliche im Gottesdienst zu feiern und Gott zu loben«, schloss Klatte ihre Predigt.
In seinem Grußwort beim anschließenden Empfang betonte Landesbischof Tobias Bilz, dass der Dienst von Pfarrerinnen in der sächsischen Landeskirche sichtbar gesegnet sei und mit der Frauenordination eine wirkliche Segensgeschichte begonnen habe. Sie sei gleichzeitig aber auch eine Geschichte des Schmerzes. Viele Pfarrerinnen könnten von zahlreichen Verletzungen, von fehlendem Vertrauen und Vorbehalten berichten, die sie in ihrem Berufsleben erleben mussten. Darum wolle er ihnen heute an diesem Tag vor allem herzlich danken, dass sie diesen Weg eingeschlagen haben und die Landeskirche mit all ihren Gaben, ihrem Glauben und ihrem Dienst bereichern.
Oberlandeskirchenrätin Dr. Jördis Bürger erinnerte in ihrem Grußwort an die ersten elf Pfarrerinnen, die 1966 in Sachsen ordiniert wurden. Aber sie erinnerte auch an die mutigen Frauen in den Jahrzehnten davor, die trotz fehlender Berufsperspektive als erste Frauen an deutschen Fakultäten Theologie studierten und mit großer Kraft in den Gemeinden wirkten, vor allem in den Zeiten des zweiten Weltkrieges und danach. Erst 1982 seien Pfarrerinnen wirklich gleichberechtigt gewesen, denn zuvor sei die Ordination von Frauen nur im Zölibat möglich gewesen (was für männliche Pfarrer nicht galt!). Auch die Gleichstellungsbeauftragte Kathrin Wallrabe erinnerte anhand von Beispielen an den steinigen Weg von Pfarrerinnen auf dem Weg zur Gleichberechtigung im Pfarrdienst. Sie wies auf die Veranstaltungen hin, die es im kommenden Jahr zur Würdigung des Jubiläums geben werde und lud herzlich dazu ein.
Eröffnung der Plenarsitzung & Würdigung Bettina Westfeld
Landesbischof Tobias Bilz eröffnete die Konstituierende Tagung pünktlich um 13:00 Uhr.
Zu Beginn verabschiedete er Bettina Westfeld aus dem Amt der Synodalpräsidentin der 28. Landessynode.
»Liebe Bettina, Du kannst auf 24 Jahre Landessynode zurückblicken, auf zwei Legislaturen als Vizepräsidentin und eine Legislatur als Präsidentin – das ist eine lange Zeit, in der Du Dich mit all Deiner Kraft in den Dienst der Synode, unserer Landeskirche gestellt hast. Dafür möchte ich Dir heute von Herzen danken.«
Er greift drei Charaktereigenschaften Westfelds heraus, die ihn besonders beeindruckt haben: »Du bist beherzt. Das bedeutet: Du tust die Dinge mit Herz, aber es bedeutet auch, dass man die Aufgaben mit einer Grundenergie angeht. Von Dir ist eine beherzte Zuversicht ausgegangen, ganz besonders haben wir das in der Corona-Zeit erlebt.
Du bist vernetzt. Du hast vielfältige Verbindungen gesucht und gepflegt und damit unsere Landeskirche bereichert. Sie reichen durch Deine Aufgabe im Rat des Lutherischen Weltbundes inzwischen über die ganze Welt. Du hast uns Horizonte eröffnet und uns immer wieder an diese weltweiten Verbindungen erinnert.
Und Du hast Dinge bewegt. Du hast Deine Gestaltungsfreude auch in der Synode eingebracht, Deine innere und sichtbare Dynamik war bestimmend für die Synode.« Er sagte weiter: »Ich bin mir sicher, dass Du aus dem Erlebten Segen gewinnen wirst und selbst zum Segen für viele andere werden wirst.« Als Geschenk überreichte er ihr einen Landeskirchenrucksack und wünschte ihr Gottes Segen.
Oberlandeskirchenrätin Dr. Jördis Bürger dankte Bettina Westfeld für ihr großes Engagement, für ihre Weitsicht und die Zeit, welche sie in den Dienst der Landeskirche gestellt habe.
Die Synode verabschiedete Bettina Westfeld zweimal mit langem Applaus und Standing Ovations.
Bettina Westfeld dankte allen für die Würdigung und sagte: »Meine Mitarbeit in der Landessynode war für mich in den letzten 24 Jahren ein wichtiger Dienst in unserer Landeskirche, und ich hätte sie gern fortgesetzt. Dass dies nicht möglich ist, ist für mich ein schmerzlicher Einschnitt.«
Auch wenn dies ein schwerer Abschied für sie sei, nehme sie das Gute mit, was sie in dieser Zeit erfahren durfte: vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten kirchlichen Lebens, spirituelle Gemeinschaft in Gottesdiensten und Andachten und viele Begegnungen mit Menschen, sie sie sehr bereichert hätten. Besonders hob sie die Betroffenen sexualisierter Gewalt hervor, die der Landeskirche einen großen Vertrauenvorschuss entgegengebracht hätten nach allem, was sie in der Kirche erleiden mussten. Sie und viele andere hätten sie in den letzten Wochen getröstet, unterstützt und ermutigt, wofür sie an dieser Stelle dankte.
Der 29. Landessynode wünschte sie Klarheit, Fairness und gegenseitigen Respekt im Umgang, die Unterstützung durch das Landeskirchenamt und Gottes Segen. »Und persönlich vertraue ich darauf, dass Gott Wege öffnen kann, auch wenn sie jetzt noch nicht sichtbar sind, so wie wir es in Psalm 31,9 lesen können: Du stellst meine Füße auf weiten Raum«, schloss Westfeld.
Danach fand die Verpflichtung der neuen Landessynodalen statt. Landesbischof Tobias Bilz las den 38 neuen Synodalen das Gelöbnis vor: »Ich gelobe vor Gott, bei meinem Wirken in der Landessynode die innere und äußere Wohlfahrt der evangelisch-lutherischen Kirche nach bestem Wissen und Gewissen zu wahren und danach zu trachten, dass die Kirche in allen Stücken wachse an dem, der das Haupt ist, Christus.« Die Synodalen antworteten »Ich gelobe es vor Gott.«
Danach übergab Landesbischof Tobias Bilz die Sitzungsleitung an den Alterspräsidenten, den Synodalen Dietrich Bauer.
Nach der Übernahme der Leitung durch den Alterspräsidenten berief dieser zwei vorläufige Schriftführer, die die Beschlussfähigkeit feststellten (anwesend waren 72 Synodale).
Wahl einer Präsidentin oder eines Präsidenten
Nach der Feststellung der Tagesordnung eröffnete der Alterspräsident den Tagesordnungspunkt zur Wahl. Er bat um Anträge aus den Reihen der Landessynode.
Der Synodale Dr. Michael Stahl schlug der Landessynode Frau Gunda Röstel für die Wahl zur 29. Landessynode vor.
Er wies darauf hin, dass es noch nicht lange her sei, dass es wieder möglich geworden sei, dass Personen mit politischen Ämtern auch in der Kirche Verantwortung übernehmen können. Er sei der Überzeugung, dass Gunda Röstel mit ihren wirtschaftlichen und politischen Erfahrungen, als gläubige Christin mit vielfältigen Verbindungen in die Gesellschaft der Landessynode gut tun werde.
Der Synodale Friedbert Straube schlug als zweiten Kandidaten Christoph Apitz vor.
Apitz begann seine Vorstellung mit seinem Konfirmationsspruch, der ihn durchs Leben begleitet habe: »Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für Euch.«
Er wählte das Bild eines Puzzles für die Synode, die nur ein Ganzes ergebe durch das Zusammensetzen aller Teile. Auch ein Leben sei ein Puzzle aus verschiedenen Lebensabschnitten. Er berichtete von seinem Engagement in der Evangelischen Jugend, wodurch er auch Nachteile in der damaligen DDR erfahren habe. Aufgrund seines Christseins durfte er nicht studieren und erlernte den Beruf eines Fliesenlegers. Aus dieser Zeit habe er sich einen gesunden Abstand zur politischen Einflussnahme auf unsere Kirche bewahrt. Die Familie sei eine wichtige Grundlage des Zusammenlebens, sie sei Halt und Stärke für ihn. Nach der Wende studierte Apitz in Leipzig Rechtswissenschaften und arbeitet seitdem als Rechtsanwalt im Vogtland. Als Mitglied im Kirchenvorstand und in der Kirchenbezirkssynode kenne er die Kirche wie seine Aktentasche. Er habe aber auch über die Kirche hinaus als Stadtrat im Oelsnitz und im Jugendhilfeausschuss des Vogtlandkreises mitgewirkt. Seit 18 Jahren sei er Mitglied der Landessynode und kenne daher die Themen, die Herausforderungen und Schwierigkeiten sehr genau. Für ihn sei aber eines sehr wichtig: »Der Glaube ist tragfähiger als der Zeitgeist, deshalb ist der Glaube nicht nur ein Fundament, sondern auch der Rahmen.«
Apitz machte deutlich, dass die Landeskirche nur so stabil sei, wie es die Gemeinden seien. Er werbe für den Erhalt der Selbständigkeit der Gemeinden. Die Synode habe die Aufgabe diese zu bewahren. Das Amt des Synodalpräsidenten sei für ihn ein Amt des Leitens und Zusammenführens.
Gunda Röstel wies zu Beginn ihrer Vorstellungsrede darauf hin, dass sie den morgendlichen Gottesdienst als einen Segen für sich und die Landessynode empfunden habe. Denn die Herausforderungen stünden ja allen vor Augen: Wenn die Einnahmen sinken und Ressourcen geringer werden, müssten auch einmal schwere Entscheidungen getroffen werden. Mit diesen Problemen seien die Kirchen nicht allein, denn diese beträfen auch Kommunen, Landkreise und Bundesländer sowie die Wirtschaft.
»Wir leben in einer Zeit der Unsicherheit, der Zunahme von Zweifeln und Ängsten. Und mittendrin unsere Landeskirche. Der Beginn unserer Zusammenarbeit fällt in eine schwierige Zeit. Ich bin aber nicht pessimistisch. Ich glaube fest daran, dass es uns mit Gottes Hilfe gelingen wird, unsere Landeskirche über alle kirchlichen Ebenen hinweg zukunftsfest machen. Dafür brauchen wir wirklich alle«, so Röstel. In den nächsten sechs Jahren gelte es, Gemeindeglieder zu halten, Verlorene zurückzugewinnen und neue Mitglieder zu gewinnen. »Mir selbst ist es vor wenigen Wochen widerfahren, von der Kirche eingeladen zu werden. Das zeigt: Es kann schon gut gehen!«, so reflektiert sie ihre Berufung in die Landessynode.
Sie stellt sich persönlich vor: Sie sei im Erzgebirge aufgewachsen, habe Sonderschulpädagogik studiert, als Lehrerin in einer Förderschule gearbeitet und sei nach der Wende Schulleiterin geworden. Im Herbst 1989 habe sie das Neue Forum in Flöha mitgegründet und es erfülle sie bis heute tiefste Dankbarkeit für das Gotteswunder der Friedlichen Revolution.
Als Ostdeutsche und Frau sei sie dann gebeten worden für den Parteivorsitz für Bündnis 90 / Die Grünen zu kandidieren. Durch diese Aufgabe habe sie die Chance erhalten, an wichtigen Entscheidungen wie dem Einigungsvertrag mitzuwirken und viele Menschen kennenzulernen.
Seit 2000 arbeite sie in der Abwasserwirtschaft, die dafür Sorge trage, dass alle Menschen sauberes Trinkwasser haben. Ihr Konfirmationsspruch stamme aus dem Römerbrief 8, 28: »Wir wissen aber, denn denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen.«
Mit dieser Zuversicht blicke sie auf die beginnende Synode. Der Veränderungsdruck sei erheblich und die Sorgen um das, was bleibt und was sich verändern muss, verstehe sie. Es gehe darum, die Kräfte auf das zu konzentrieren, was den Auftrag unserer Kirche trägt. Kirche sei kein Zentralorgan, daher müsste auf die Kirchen im Dorf geachtet werden. Aber für sie gehörten die Kirchen in Stadt und Dörfern zusammen, die Einheit der Landeskirche sei für sie ein zentrales Gut.
Wichtig sei, Menschen einen Zugang zur Kirche zu bieten, das Ehrenamt zu stärken und neue Formen zu ermöglichen.
»Unsere Stärke sollte es sein, Unterschiede auszuhalten. Entscheidend wird sein, wie wir damit umgehen«, meint Röstel. Abschließend macht sie deutlich: »Ich wünsche mir, dass unsere Synode ein Ort nicht zuerst nach Gewinnern und Verlierern gesucht wird, sondern ein Ort, an dem wir gemeinsam nach Lösungen für unsere Kirche zu suchen.«
Nachdem der erste Wahlgang abgeschlossen war, verkündete Dietrich Bauer das Ergebnis des ersten Wahlgangs: Von 72 abgegebenen Stimmen entfielen auf Christoph Apitz 32 Stimmen und auf Gunda Röstel 40 Stimmen.
Da keiner der Kandidaten die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht hat, ist ein zweiter Wahlgang erforderlich.
Grußwort ACK Sachsen
Während der zweite Wahlgang ausgezählt wurde, sprach Mike Pollmer als stellvertretender Vorsitzender der ACK Sachsen ein Grußwort vor der Landessynode.
Er grüßte die neue Landessynode im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Sachsen, in der die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens Mitglied ist. Als Gründungsmitglied sei die Landeskirche seit jeher ein verlässlicher Partner, wenn es darum gehe, ökumenische Arbeit in Sachsen zu gestalten, zu tragen und zu finanzieren.
Die Neuapostolische Kirche sei neu in der ACK Sachsen und lerne noch viel dazu. Als Lernende sei es da wichtig, einen Vertrauensvorschuss zu haben. Gerade die sächsische Landeskirche habe die Neuapostolische Kirche ermutigt Mitglied in der ACK zu werden. Er erwähnte viele Beispiele der ökumenischen Zusammenarbeit, wo er und seine Kirche der Landeskirche sehr dankbar dafür sei. Gleichzeitig habe seine Kirche auch etwas einzubringen, da sie ausnahmslos ehrenamtlich organisiert sei und ganz existentiell um den Schatz des ehrenamtlichen Engagements wisse. Alle Kirchen in der ACK stünden vor großen Herausforderungen. Er bittet die Landessynode, seiner Kirche und der ACK gewogen zu bleiben und die Zusammenarbeit beizubehalten.
Mike Pollmer ist ehrenamtlicher Seelsorger der Neuapostolischen Kirche in Annaberg-Buchholz.
Zweiter Wahlgang
Im Ergebnis des zweiten Wahlgangs entfielen auf den Synodalen Christoph Apitz 29 Stimmen und auf die Synodale Gunda Röstel 43 Stimmen. Christoph Apitz zog seine Kandidatur zurück. Der dritte Wahlgang wird nach der Kaffeepause stattfinden.
Grußwort VELKD
Dr. Frank Hofmann übermittelte der 29. Landessynode die Grüße vom leitenden Bischof Ralf Meister und dem Amtsbereich der VELKD im Kirchenamt der EKD in Hannover. Da die Hälfte der Landessynode neu in diesem Amt ist, erläuterte Dr. Hofmann der 29. Landessynode die Themen und Aufgaben der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen Deutschlands. Weiter berichtete er von einigen aktuelle Projekten der VELKD, wie u.a. dem Kompositionswettbewerb anlässlich des 350. Todestages von Paul Gerhard und das Demokratie-Papier. Er lobte die Kampagne »Für alle. Mit Herz und Verstand«, mit der die sächsische Landeskirche 2025 bundesweit Maßstäbe gesetzt habe. Weiter berichtet er von dem Arbeitsstand der Neufassung der Lebensordnung in einer digitalen Wiki-Form und verschiedenen anderen Projekten. Als derjenige, der für die Kommunikation des Beteiligungsforums verantwortlich ist, berichtete er, dass er die Kommunikation in diesem Gremium trotz des schweren Themas als konstruktiv und empathisch empfinde.
Dritter Wahlgang
Im dritten Wahlgang wurde Gunda Röstel mit 44 Stimmen zur Präsidentin der 29. Landessynode gewählt. Sie nahm die Wahl an.
Sie bedankte sich bei der Landessynode für das Vertrauen und das Zutrauen in sie und wünschte sich, dass man den Schatz, den die gesamte Landeskirche beinhalte, gemeinsam bewahren und nutzen werde. Für den gegenseitigen Umgang in der Landessynode wünschte sie sich, dass die Synode sich den Vers aus dem 1. Korintherbrief als Maßstab nimmt »Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen«.
Wahl des Nominierungsausschuss
Nach der Bekanntgabe von Eingängen und Mitteilungen durch die neue Präsidentin brachte der Synodale Volkmar Kuhn seinen Antrag ein und erläuterte, wie die Vorschläge für den Nominierungsausschuss zustande gekommen sind.
Die Landessynode wählte im Anschluss einstimmig die benannten 15 Mitglieder des Nominierungsausschusses. Diese verließen im Anschluss zur Vorbereitung der weiteren Wahlen das Plenum.
Vortrag zu EKD/VELKD
Die im Plenum verbliebenen Mitglieder der Landessynode hörten einen Vortrag mit Informationen über die Einbindung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens in die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), in die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) sowie in die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und den Lutherischen Weltbund (LWB).
Wahl des Präsidiums
Die Synodale Sarah Zehme informierte die Landessynode darüber, dass der Nominierungsausschuss sich konstituiert und sie selbst als Vorsitzende gewählt habe. Stellvertretender Vorsitzender sei Superintendent Raik Fourestier, als Schriftführende seien Kerstin Otto und Johanna Dohndorf bestimmt wurden.
Weiter brachte sie einen Antrag des Nominierungsausschusses zum Wahlverfahren ein, wonach die Wahlen des nichtordinierten und ordinierten Stellvertreters in geheimer Wahl stattfinden. Nach Antrag des Nominierungsausschusses sollte die Wahl des nichtordinierten Stellvertreters zuerst und danach die Wahl des ordinierten Stellvertreters erfolgen.
An dieser Stelle wurde darüber über die Reihenfolge der Wahl und damit über die Rangfolge der Stellvertretung diskutiert. Zwei Synodale merkten an, dass es bis zur 27. Landessynode üblich war, dass der erste Stellvertreter (analog zum Verfahren im Kirchenvorstand) ordiniert war. Ein entsprechender Änderungsantrag wurde mit einer knappen Mehrheit von 35 Stimmen (gegen 34 Stimmen) angenommen.
Gegen 15 Stimmen wurde dem geänderten Antrag zugestimmt und damit auch dem Verfahren, dass die weiteren Mitglieder des Präsidiums, des Ältestenrates und des Wahlprüfungsausschusses mittels einer Listenwahl gewählt werden.
Wahlen der Vizepräsidenten und des Präsidiums
Am Abend erhielt die Synodalpräsidentin noch Unterstützung durch ein neues Präsidium.
Als erstes schlug der Nominierungsausschuss Pfarrer Dr. Christoph Herbst für das Amt des ordinierten Vizepräsidenten vor. Pfarrer Dr. Herbst stellte sich der Landessynode kurz vor, indem er die verschiedenen Pfarrstellen seiner Dienstzeit nannte und betonte, dass ihm dadurch sehr unterschiedliche Verhältnisse und Aufgaben auf Gemeindeebene vertraut seien. Es sei ihm ein Herzensanliegen, dass das Zusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamt weiter verbessert wird, weshalb er sich auch im Kirchlichen Fernunterricht engagiere. Weiter sei er im Johanniterorden aktiv und dort als Pfarrer für die Johanniter Unfallhilfe ehrenamtlich tätig.
In den letzten sechs Jahren gehörte er der 28. Landessynode als ordinierter Vizepräsident an und sei zudem mit der Aufgabe betraut gewesen, die Arbeitsgruppe der Kirchenleitung »Kirche im Wandel« zusammen mit Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz zu leiten. Die Größe der Herausforderung, vor der die Landeskirche stehe, sei ihm aus dieser Aufgabe heraus bewusst. Ihm sei dabei die transparente Beteiligung aller Ebenen der Landeskirche ein zentrales Anliegen. Zum Schluss betonte er die große Bedeutung, die die geistliche Gemeinschaft für die Synode, die Kirche und ihn selbst habe.
Im Anschluss erfolgte die Wahl in geheimer Abstimmung, in deren Ergebnis Pfarrer Dr. Christoph Herbst mit 67 Stimmen als ordinierter Vizepräsident der 29. Landessynode gewählt wurde. Er nahm die Wahl an und bedankte sich bei der Landessynode für das Vertrauen.
Für die Wahl zum nicht-ordinierten Vizepräsidenten schlug der Nominierungsausschuss Christoph Apitz vor. Nach der Zustimmung zu dieser Nominierung ergriff Christoph Apitz noch einmal das Wort. Er habe lange Jahre im Präsidium als Beisitzer und dann auch als Vizepräsident mitgewirkt und stehe auch in der 29. Landessynode dafür zur Verfügung. Er äußerte jedoch auch eine Nachdenklichkeit im Blick auf die Abänderung des ersten Antrages des Nominierungsausschusses. Er wünsche sich sehr, dass in der Landessynode fair und konstruktiv miteinander umgegangen werde und – sollte es persönliche Dinge geben – diese auch im persönlichen Gespräch direkt angesprochen werden.
Im Anschluss erfolgte die Wahl in geheimer Abstimmung, in deren Ergebnis Christoph Apitz mit 64 Stimmen als nicht-ordinierter Vizepräsident der 29. Landessynode gewählt wurde. Er nahm die Wahl an und bedankte sich bei der Landessynode für das Vertrauen.
Für die Wahl der Beisitzer stellte Sarah Zehme den Vorschlag des Nominierungsausschusses vor, der 7 Namen enthielt: Kilian Creutz, Thomas Friedemann, Celina Hertel, Dr. Jochen Kinder, Prof. Beate Naake, Kerstin Otto und Katrin Spenke.
Sarah Zehme erläuterte, dass bereits beschlossen worden war, dass die Wahl in Form einer Listenwahl stattfinden wird, was bedeute, dass jede/r Synodale vier Stimmen hat und die vier Personen ins Präsidium gewählt sind, die die meisten Stimmen auf sich vereinigen. Die sieben Kandidierenden stellten sich in kurzer Form der Landessynode vor, danach wurden die Stimmzettel ausgeteilt.
Im Ergebnis der Wahl wurden Kerstin Otto, Dr. Jochen Kinder, Celina Hertel und Prof. Beate Naake als Beisitzerinnen und Beisitzer ins Präsidium gewählt. Alle Gewählten nahmen die Wahl an.
Wahl des Ältestenrates
Der Synodale Raik Fourestier stellte der Landessynode den Vorschlag des Nominierungsausschusses für den Ältestenrat vor, welcher die Namen von neun Synodalen enthielt: Dietrich Bauer, Lukas Haugk, Volkmar Kuhn, Tobias Mäthger, Barbara Pfeiffer, Martin Rolle, Dr. Matthias Schwarz, Anja Wald und Ulrike Weyer. Die vorgeschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten stellten sich der Synode kurz vor. Danach erfolgte die Wahl, in deren Ergebnis folgende Personen in den Ältestenrat der 29. Landessynode gewählt wurden: Volkmar Kuhn, Dr. Matthias Schwarz, Barbara Pfeiffer, Lukas Haugk, Ulrike Weyer und Dietrich Bauer.
Wahl der ständigen Ausschüsse
Dr. Jochen Kinder stellte der Synode den Besetzungsvorschlag für den Wahlprüfungsausschuss vor. Dieser enthielt die Namen folgender Synodaler: Alexander Franke, Claudia Hultsch, Dr. Jan Quenstedt, Anja Wald und Friedhelm Zühlke. Die Synode beschloss auf Anregung der Präsidentin, die Wahl in diesen Ausschuss im Block abzustimmen und wählte anschließend die benannten Mitglieder einstimmig in den Wahlprüfungsausschuss.
Den Vorschlag für die Besetzung der weiteren ständigen Ausschüsse stellte Sarah Zehme vor. Sie erläuterte, dass in vielen Fällen die Erstwünsche der Synodalen berücksichtigt werden konnten und nur in einigen Fällen die Zweitwünsche zum Zuge kamen. Im Weiteren benannte Sarah Zehme die Namensvorschläge für die einzelnen Ausschüsse. Nach der Zustimmung zur Nominierung wählte die Landessynode die ständigen Ausschüsse einstimmig im Block.
Die Synodalpräsidentin dankte ganz herzlich allen Mitarbeitenden der Synodalkanzlei, den Mitgliedern des Landeskirchenamtes und dem Nominierungsausschuss für die gute Unterstützung. Landesbischof Tobias Bilz sprach zum Abschluss des ersten Sitzungstages um 23:00 Uhr noch ein Abendgebet.