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she:leads ist gestartet: zehn Tandems auf dem Weg in kirchliche Leitung 


05. November 2026

Zehn Pfarrerinnen, zehn Mentorinnen, zwei Landeskirchen: Ende Oktober ist im RPZ Heilsbronn das Mentoringprogramm she:leads von ELKB und EVLKS gestartet. Bis April 2027 schauen die Mentees erfahrenen Leitungsfrauen über die Schulter.

HEILSBRONN - Der Eingangsbereich des RPZ in Heilsbronn füllt sich mit Frauen. Die Begrüßung ist herzlich, die Stimmung noch ein wenig zurückhaltend und zugleich neugierig. Wer ist alles dabei? Und mit wem wird man das nächste halbe Jahr im Tandem unterwegs sein?

Als das Angebot noch vor mehr als einem halben Jahr das erste Mal veröffentlicht wurde, warben die beiden Landeskirchen in Bayern und Sachsen um potentielle Interessierte. "Mit dem Mentoring-Führungskräfteprogramm für Pfarrerinnen laden wir dazu ein, eigene Leitungsperspektiven zu erkunden und weiterzuentwickeln. Denn: Frauen in Leitung sind ausdrücklich gewollt und gebraucht", sagten Oberkirchenrat Stefan Reimers (ELKB) und Oberlandeskirchenrätin Margrit Klatte (EVLKS) im März 2026 in der Ausschreibung von she:leads. Das Interesse war groß, nicht alle Bewerberinnen konnten zum Zug kommen. Jetzt starten zehn Mentees und zehn Mentorinnen, jeweils sieben aus der ELKB und drei aus der EVLKS. 

Über die Schulter schauen lassen 
Mentoring heißt: Eine Frau in Leitungsverantwortung lässt sich über die Schulter schauen. Sie gibt konkrete Einblicke in ihre Aufgaben, Herausforderungen und ihren Alltag und teilt Erfahrungswissen, Haltung und Handwerkszeug. Mit den Augen der Mentee sieht sie dabei vermutlich auch manches in ihrer eigenen Leitungspraxis neu. “Als Mentorin ist es mir wichtig, die Mentee in ihrer Persönlichkeit wahrzunehmen und sie dabei zu unterstützen, den eigenen Leitungsstil weiterzuentwickeln”, sagt Claudia Häfner, Dekanin in München. Sarah Zehme, theologische Vorständin im Diakonenhaus Moritzburg, ergänzt: "Ich bin dankbar, dass ich über Landeskirchengrenzen hinweg einer Kollegin im geschützten Tandem etwas von dem mitgeben darf, was ich in Leitungsverantwortung erfahren und gelernt habe."

Speed-Dating und Kamingespräch 
Beim zweitägigen Auftaktseminar geht es ums Kennenlernen und um die gemeinsame Planung. Die Mentorinnen stellen ihre Verantwortungsbereiche vor und die Leitungsthemen, die bei ihnen gerade anstehen. Beim Speed-Dating können die Mentees viele Fragen stellen. Die beiden Kursleiterinnen Dr. Susanne Schatz (Leiterin der Wirkstatt evangelisch, ELKB) und OKRin Antje Pech (Referentin für Seelsorge, Supervision und Personalentwicklung im Pfarrdienst, EVLKS) legen die theoretische Grundlage zum Führen und Leiten in der Kirche. Am Abend ist Regionalbischöfin Berthild Sachs (Kirchenkreis Bayreuth) zu Gast. Sie erzählt persönlich und reflektiert von ihrem Weg als Frau in verschiedenen Leitungsämtern – und von Situationen, die Frauen anders erleben als Männer. Frauen zu unterstützen, bedeute vor allem, ihre Fähigkeiten gut wahrzunehmen, sagt Sachs. Denn für Leitung wichtige Kompetenzen zeigten sich oft an anderer Stelle als in formalen Karriereschritten. 

"Wie bei der Damenwahl" 
Am zweiten Tag finden sich die Tandems. "Aufregend, und ein bisschen wie bei der Damenwahl in der Tanzschule”, beschreibt eine Teilnehmerin den Moment im Feedback. Bis April 2027 sind die Tandems nun gemeinsam unterwegs: Vereinbart sind Besuche vor Ort, beobachtende Teilnahme an Führungssituationen, eventuell auch eigenes Ausprobieren und Zeit für Reflexionsgespräche. Im Januar treffen sich die Mentees zu einem Zwischenstopp in Meißen, im April schließt ein gemeinsames Seminar in Heilsbronn das Programm ab. 

"Zwei Tage she:leads liegen hinter mir”, sagt Kathrin Seelinger, Pfarrerin in Mühlhausen. "Zuhause angekommen bin ich mit grundlegendem Wissen übers Führen, mit dem Segen eines bereichernden Netzwerks an Frauen in Führungspositionen und mit ganz viel Vorfreude auf das nächste halbe Jahr mit meiner Mentorin!” 

Resümee der Kursleitung 
"Beim Auftakt war zu spüren, wie viel Leitungskompetenz in unseren Pfarrerinnen steckt", sagt Dr. Susanne Schatz. “she:leads gibt  Raum und macht Mut, Leitung für sich in den Blick zu nehmen. Und die Tandems zeigen, wie viel wir über Landeskirchengrenzen hinweg voneinander lernen können.” Auch OKRin Antje Pech blickt zuversichtlich auf die kommenden Monate: “Wer Leitung von innen kennenlernt, kann ehrlich prüfen, ob sie zum eigenen Leben passt. Genau diese Klärung ermöglichen die Tandems. Für unsere Landeskirchen ist das eine Investition in die Zukunft: Wir brauchen Frauen, die Leitung gestalten.” 
 

Text: Patrick Wolf

Teilnehmerinnen des She:leads-Programms (Bild: Wirkstatt evangelisch | Susanne Schatz)
Speeddating der Mentorinnen und Mentees (Bild: Wirkstatt evangelisch | Susanne Schatz)
Pfarrerin Johanna Fabel (Leiterin TPI Moritzburg) und Pfarrerin Dr. Kathrin Mette (Kolleg am Klosterhof Meißen) im Gespräch (Bild: Wirkstatt evangelisch | Susanne Schatz)

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