Themen und Debatten

Kirche als Gesprächsraum gestalten

Im Blick auf unser zukünftiges Miteinander […] betrachten wir es als eine wichtige Aufgabe, weiter an einer von Respekt und Wertschätzung getragenen Debattenkultur zu arbeiten. Wir haben gelernt, dass der Wille zur Gemeinschaft auch mit Schmerzen und Mühen verbunden ist. Wichtig ist, dass wir einander trotz unterschiedlicher Positionen nicht verurteilen.

(aus 27. Landessynode Drucksache 42, Punkt 5 – aus der Debatte zum Gesprächsprozess zum Schriftverständnis)

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Die Landessynode bittet Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen, Diskussionen zu strittigen Themen anzubieten und so zu einem respektvollem Miteinander in der Gesellschaft beizutragen. 

Kontroverse Debatten begleiten uns in Gesellschaft, Familie, Arbeitsumfeld und auch in den Kirchgemeinden seit einigen Jahren in besonders intensiver Weise. Wie können wir als Kirche hier den Menschen und dem Miteinander dienen? Wie können Gesprächsräume entstehen oder begleitet werden? Wo fördern wir so das Miteinander und den gegenseitigen Respekt, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen vorfinden? Welche Kompetenzen können bei Mitarbeitenden und in den Gemeinden gestärkt werden und wer kann dabei unterstützen? 

Anregungen, die in der Debatte um die Unterscheidung zwischen wertkonservativem Christsein und Rechtsradikalismus entstanden sind, bieten Impulse zur weiteren Beschäftigung in den verschiedenen Gremien der Kirchgemeinden.

Hier finden Sie die Grundlagentexte aus der Synodalen Debatte: 

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Begegnungstag in Radeberg


14. September 2026

»Geschichten vom Leben. Zuhören statt Wegsehen.«

RADEBERG – Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens hatte am Sonnabend, den 12. September, zum Begegnungstag für Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler sowie für Christinnen und Christen anderer fremdsprachiger Gemeinden aus dem Gebiet des Freistaates Sachsen nach Radeberg eingeladen. Einmal jährlich lädt die Landeskirche dazu ein – seit 1996, also seit genau 30 Jahren, mit Unterbrechungen durch das Hochwasser 2002 und die Corona-Pandemie. An wechselnden Orten in Sachsen wird an diesem Tag gemeinsam Gottesdienst gefeiert; zugleich bietet er die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen und bei Musik, Tanz und gemeinsamen Aktivitäten Bekanntschaften aufzufrischen oder neue Kontakte zu knüpfen. Gleichzeitig können die Teilnehmenden die jeweils gastgebende Kirchgemeinde und Stadt näher kennenlernen. In diesem Jahr stand der Begegnungstag unter dem Motto »Geschichten vom Leben. Zuhören statt Wegsehen.«

Begegnung schafft Verbindung

Bereits im Vorfeld hatte Landesbischof Tobias Bilz dazu ermutigt, den Tag erneut als Chance zu nutzen, einander zu begegnen, sich kennenzulernen und miteinander im Gespräch zu sein. Die unterschiedlichen Lebensgeschichten seien »wertvoll und bereichernd«, so Bilz; es sei immer wieder wichtig, einander zuzuhören und die Erfahrungen des jeweils anderen wahrzunehmen.

Gottesdienst als Auftakt

Der zentrale Eröffnungsgottesdienst fand in der Radeberger Stadtkirche statt, wo sich rund 500 Teilnehmende versammelten. Begrüßt wurden sie von Ortspfarrer Johannes Schreiner und Superintendent Albrecht Nollau (Ev.-Luth. Kirchenbezirk Dresden-Nord). Für die musikalische Umrahmung sorgten Kantor Rainer Fritzsch und sein Chor Angel Voices mit einem abwechslungsreichen Programm aus Werken von Joseph Haydn, John Rutter, Roger Emerson und ABBA.

Im Mittelpunkt der Predigt von Oberlandeskirchenrat Dr. Thilo Daniel stand die Geschichte der Emmausjünger, die – wie er einleitend feststellte – von Menschen erzählt, die unterwegs sind, von ihren Fragen und Erfahrungen. Die vielfältigen »Geschichten vom Ankommen und vom Aufbrechen«, »vom Verlassen der Heimat und vom Finden der Heimat« könnten sowohl positiv als auch negativ erlebt werden – das hänge »oft davon ab, wer mit uns unterwegs ist«. Der Bibeltext von den Emmausjüngern erzähle davon, was es bedeute, wenn Jesus Christus mit unterwegs sei. Resümierend hielt Dr. Daniel fest, dass Christus auch den eigenen Weg begleite – »in Zeiten der Freude ebenso wie in Trauer und schwierigen Lebenssituationen. Er gibt dem Leben Richtung und Ziel und führt Menschen zusammen.«

Die Kollekte des Gottesdienstes war für das Programm »Vielfalt leben« bestimmt, mit dem die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens Gemeinden unterstützt, die sich interkulturellen Begegnungen öffnen – oder öffnen möchten – und Menschen unabhängig von Herkunft oder sozialem Status willkommen heißen.

Am Gottesdienst beteiligt war auch Steffen Hatzel von der röm.-kath. Pfarrgemeinde St. Laurentius Radeberg. Zum Abschluss wandten sich Dr. Jens Baumann, Beauftragter für Vertriebene und Spätaussiedler des Freistaats Sachsen, sowie Ingrid Petzold, 1. Stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Radeberg, mit zwei Grußworten an die Teilnehmenden – moderiert von der Ökumenereferentin der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Helena Radisch.

Bühnenprogramm und Markt der Möglichkeiten

Nach dem Gottesdienst verlagerte sich das Geschehen auf den Markt. Dort erwartete die Besucherinnen und Besucher ein abwechslungsreiches, stimmungsvolles und buntes Bühnenprogramm mit Chören, Tanzgruppen, Instrumentalmusik und Interviews, das bereits während des gemeinsamen Mittagessens begann.

Den musikalischen Auftakt gestalteten das Kinder- und Jugendensemble »Sonnenschein« sowie der Chor »Lipa« des Aussiedlerverbandes Sachsen e. V. aus Leipzig unter der Leitung von Vera Eichler. Es folgten der Chor Rjabinuschka aus Markkleeberg, der Kalinka-Chor Weißwasser e. V., ein ukrainischer Chor aus Dresden sowie der Chor Expression des ZMO-Regionalverbandes Dresden e. V. Zudem bereicherten mehrere Tanzgruppen den Nachmittag – darunter Ukrainerinnen aus Bautzen, die Tanzgruppe WI-Magnifica des ZMO-Regionalverbandes Dresden e. V. sowie die Tanzgruppe des Vereins »Zusammenleben e. V.« aus Torgau. Als Solokünstler an der E-Gitarre war Alexander Prawdin zu Gast, für besondere Klänge sorgte Victor Munck vom Verein Tschernobylkinder e. V. mit dem Bajan.

Kurze Interviews gaben dem Bühnenprogramm zusätzlich eine persönliche Note und griffen das Motto des Tages »Geschichten vom Leben. Zuhören statt Wegsehen.« auf: Zu Wort kamen Alexander Prawdin, Viktoriia Ozhyhanova sowie Tatjana Jurk. Prawdin erzählte, wie er vor etwa einem Jahr mit seiner Ehefrau und seiner Mutter nach Sachsen kam und wie schwierig das Leben zuvor zwischen Kasachstan und Russland gewesen sei; wichtig sei ihm bei der Ausreise vor allem gewesen, sein musikalisches Equipment mitzunehmen. Im Anschluss spielte er auf der Gitarre für das Publikum.

Frau Ozhyhanova berichtete von ihrem überstürzten Aufbruch aus der Ukraine. Ihr sei damals wichtig gewesen, für die medizinische Behandlung ihres Kindes ein Epilepsiezentrum in der Nähe zu haben – so kam sie über Bekannte nach Radeberg.

Als Dritte kam Tatjana Jurk zu Wort. Seit vielen Jahren ist sie mit ihrem Verein »Das Zusammenleben e. V.« bei den Begegnungstagen dabei. Sie kam vor etwa 30 Jahren nach Deutschland und schließlich nach Freital, wo sie den Verein bereits drei Jahre nach ihrer Ankunft gründete. Heute engagiert er sich vielfältig sozial: Über 250 Menschen im Alter werden betreut, es gibt ein Catering und eine Schneiderei sowie vielfältige Unterstützung für neu ankommende Spätaussiedler und Migranten.

Damit wurde das Anliegen des Tages auch auf der Bühne sichtbar: Nicht nur Musik und Tanz sollten im Mittelpunkt stehen, sondern vor allem die Menschen und ihre Geschichten.

Ein »Markt der Möglichkeiten«, bei dem unterschiedliche Initiativen, Vereine und weitere Akteure ihre Arbeit vorstellten und über ihre Angebote informierten, lud zum Austausch ein. Büchertische sowie Spiel- und Bastelangebote sorgten dafür, dass auch für Kinder und Familien gesorgt war.

Radeberg entdecken

Der Begegnungstag versteht sich zugleich als Einladung, den gastgebenden Ort kennenzulernen. Verschiedene Führungen und Angebote ermöglichten Einblicke in die Geschichte und Besonderheiten Radebergs: So öffneten unter anderem das Museum Schloss Klippenstein und der Botanische Blindengarten allen interessierten Besucherinnen und Besuchern ihre Pforten. Vom 61 Meter hohen Turm der Stadtkirche, der bestiegen werden konnte, bot sich ein weiter Blick über Radeberg und die Umgebung. Historische Stadt- sowie Schlossführungen boten zusätzlich Gelegenheit, mehr über den Ort und seine Geschichte zu erfahren.

Die Wanderausstellung »Heimatwechsel. Sachsen und Russland. Deutsche aus Russland in Sachsen«, die im Kirchgemeindehaus gezeigt wurde, beschäftigt sich mit den historischen Verbindungen zwischen Sachsen und Russland sowie mit den Migrationswegen der Deutschen aus Russland.

Am Nachmittag endete der Begegnungstag mit einem gemeinsamen Abschluss auf der Bühne des Marktes und einem Reisesegen. Danach machten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Heimweg.

Ein herzliches Dankeschön gilt dem großen Vorbereitungsteam – Mitarbeitenden der Kirchgemeinde vor Ort, der Stadt Radeberg, des Epilepsiezentrums Kleinwachau, des Taubblindendienstes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) e. V. sowie der röm.-kath. Pfarrgemeinde St. Laurentius Radeberg und Aussiedlerinnen und Aussiedlern des Vereins »Das Zusammenleben e. V.« aus Freital –, außerdem dem Freistaat Sachsen und allen Helferinnen und Helfern des Tages.

Zum Hintergrund: 30 Jahre Begegnungstag

Der Begegnungstag hat in der sächsischen Landeskirche eine lange Tradition. Begonnen hatte die Veranstaltungsreihe 1996 in Großenhain unter dem Titel »Gemeindetag für Aussiedler« und mit dem Leitgedanken »Heimat finden«. Seitdem wurde das Format an unterschiedlichen Orten in Sachsen weiterentwickelt.

Was ursprünglich als Treffen für Aussiedlerinnen und Aussiedler begann, ist heute zunehmend ein Ort der Begegnung verschiedener zugewanderter christlicher Gemeinden. Der Tag verbindet geistliches Leben, kulturelle Vielfalt und praktische Vernetzung – gerade angesichts der unterschiedlichen Lebensgeschichten der Teilnehmenden ist diese Verbindung von besonderer Bedeutung.

Seit der Friedlichen Revolution 1989 sind mehr als 2,5 Millionen Aussiedlerinnen und Aussiedler, vorwiegend aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, nach Deutschland gekommen. Mehr als 43 Prozent von ihnen bezeichneten sich als evangelisch. Die Hauptzuzugsjahre lagen in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren. Auch wenn die Zahl der Zuzüge nach Sachsen inzwischen deutlich zurückgegangen ist, bleibt die Aussiedlerarbeit eine wichtige kirchliche und gesellschaftliche Aufgabe.

Ankommen mit Musik vor der Stadtkirche (Foto: EVLKS)
Eröffnungsgottesdienst (Foto: EVLKS)
Oberlandeskirchenrat Dr. Daniel hält die Predigt (Foto: EVLKS)
Dr. Baumann während seines Grußwortes (Foto: EVLKS)
Albrecht Nollau, Helena Radisch und Steffen Hatzel (v.l.n.r.) bei der Fürbitte (Foto: EVLKS)
Ukrainischer Chor auf dem Markt (Foto: EVLKS)
Interview mit Alexander Prawdin (Foto: EVLKS)
Historische Stadtführung durch die Altstadt (Foto: EVLKS)
Reichlich Publikum auf dem Markt (Foto: EVLKS)

Werke und Einrichtungen bieten Kurse und Unterstützung an

Dienst, Werke und Einrichtungen der Landeskirche bieten in ihren Programmen Workshops und Veranstaltungen an,

  • die kontroverse Themen inhaltlich aufnehmen und Informationen wie Austausch anbieten und so eigene öffentliche Gesprächsräume entstehen lassen
  • die Kompetenzen im Bereich Gesprächsführung, Moderation, Kommunikation stärken und einüben um Menschen in Ihrer Rolle vor Ort zu stärken

Weiter lassen sich Mitarbeitende der Werke und Einrichtungen als Expertinnen und Expertinnen zu verschiedenen Themen für Veranstaltungen vor Ort gern ansprechen.

 

 

 

Informationen dazu finden Sie in den Programmen u.a. folgender Einrichtungen (in Auswahl)

 

Evangelischen Erwachsenenbildung               
https://www.eeb-sachsen.de/angebote.html

  • thematischen Angebote
  • Kurse z.B. zu Dilemma-Diskussion (Kursstart im Herbst 2022), TZI (Themenzentrierter Interaktion), Friedlicher Kommunikation, Gruppenleitertraining, Praxis respektvoller Kommunikation; 

Ehrenamtsakademie Sachsen           
www.ehrenamtsakademie-sachsen.de

  • Abrufangebote, Webinare, Veranstaltungen verschiedener Anbieter mit dem Schwerpunkt Ehrenamt und Leitung, Gesellschaftliche Verantwortung

Evangelische Akademie Sachsen               
https://ea-sachsen.de/veranstaltungen/

  • Veranstaltungen online und in Präsenz zu aktuellen Zeitfragen
  • Referenten, die Ihre Expertise auch bei Ihren Veranstaltungen einbringen können

TPI Moritzburg               
https://tpi-moritzburg.de/

  • Angebote und Materialien für den Bereich Schule und Bildung, Gemeindepädagogik,

 

 

Landesjugendpfarramt    
www.evjusa.de

  • u.a. Fachbereich politische Jugendbildung
  • Angebote zur Stärkung von Kompetenzen im Bereich der Jugendarbeit (z.B. Juleica)

Ev. Männerarbeit
https://maennerarbeit-sachsen.de/

Ev. Frauenarbeit              
https://www.frauenarbeit-sachsen.de/

Pastoralkolleg  
https://pastoralkolleg-meissen.de/das-pastoralkolleg/

  • bietet thematische und kompetenzorientierte Kollegs und organisiert und begleitet Tagungen mit der Zielgruppe Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikantinnen und Prädikanten

AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus Sachsen
https://www.kirche-fuer-demokratie.de/

Diakonie Sachsen
– hier https://www.diakonie-sachsen.de/projekte_demokratie_gewinnt_de.html

  • Angebote für Mitarbeitenden der Diakonie z.B. auch in Fragen der Demokratiebildung

Beispiel für Formate

„Wenn wir nicht mehr respektvoll miteinander reden, geht viel verloren. …Wertschätzung und Kritik müssen sich da nicht im Wege stehe. Sondern wenn sie zusammenfinden werden Barrieren abgebaut“
(Pfr. Sebastian Kreß, KG Sebnitz-Hohenstein zu einer Reihe von Gesprächsabenden zu aktuellen Themen. Quelle SZ vom 28.6.2022)

In Kirchgemeinden und Kirchenbezirken wurden in den vergangenen Monaten unterschiedlichste Gesprächsformate, Bürgerdialoge etc. zu aktuellen kontroversen Themen angeboten, so z.B. in der Kirchgemeinde Sebnitz, im Kirchenbezirk Freiberg, Kirchgemeinde Dresden-Leuben, Kirchgemeinde Weinböhle, Kirchgemeinden in Zwönitz, Bautzen oder in Plauen. Erfahrungen lassen sich bei den Gemeinden und Mitarbeitenden dort anfragen.

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